Rezension „New Shores“

Spielrezension „New Shores“

Nachdem wir euch letztens das EDU-Game „Keep Cool“ vorgestellt haben, haben wir nun wieder ein Spiel getestet und möchten euch unsere Erfahrungen mitteilen. Diesmal handelt es sich um „New Shores – A Game for Democracy“.

Was es ist:

„New Shores“ ist ein Online-Spiel für mehrere Spieler*innen. Alle starten gemeinsam auf einer kleinen Insel, auf der sie verschiedene Rohstoffe finden. Jeder startet mit einem kleinen Haus, das zufällig auf der Insel platziert wird. Das Spiel ist rundenbasiert, d. h., ein/e Spieler*in hat eine bestimmte Anzahl an Aktionen pro Runde, und wenn alle Spieler*innen mit ihren Zügen fertig sind, gibt es eine kurze Auswertung der Runde und es startet die nächste. Ein vorgegebenes Spielziel gibt es nicht wirklich, es soll jedoch versucht werden, einen möglichst hohen Lebensstandard zu erreichen.

Wie es funktioniert:

Es gibt verschiedene Aktionen, die den Spieler*innen möglich sind. Sie können Bäume pflanzen, Früchte von Bäumen ernten, was ein wenig Geld gibt, sie können Bäume fällen, was schon mehr Geld bringt, oder sie können Kohle abbauen, was am meisten Geld einbringt, sich allerdings auch negativ auf die Umwelt auswirkt und dadurch das Risiko für Naturkatastrophen steigt. Mit dem Geld können dann Gebäude gebaut werden, entweder öffentliche, welche den Lebensstandard der gesamten Insel heben, oder private, welchen nur die eigene Lebensqualität steigern und einem mehr Aktionen für die nächste Runde bringen. Nach jeder Runde gibt es eine Auswertung, bei der man sehen kann, wie viel Geld die Spieler*innen für was ausgegeben haben, welche Naturkatastrophen die Insel heimgesucht haben und wie es um den Zustand der Wälder und des Klimas steht. Die Spieler*innen haben dann Zeit zu reflektieren und sich abzusprechen, bevor die nächste Runde startet.

Was wird vermittelt:

Das Spiel versucht nicht direkt etwas zu vermitteln. Vielmehr geht es darum, wie die Spieler*innen miteinander zusammenspielen. Am Anfang werden alle ihr eigenes Ding machen, viel abbauen, vielleicht mal ein wenig zum Gemeinschaftsprojekt beitragen. Nach ein paar Runden wird aber klar, dass man nicht dauernd nur abholzen und abbauen kann, sondern dass auch auf die Umwelt geachtet werden muss. Und wenn eine Naturkatastrophe das Krankenhaus zerstört, muss es wieder aufgebaut werden, also können nicht alle ihr Geld für Privates ausgeben. Es geht dann darum, untereinander zu kommunizieren (am besten per Headset bzw. im Gespräch) und Strategien und/oder Regeln auszumachen. Wie das allerdings geschieht, ist vom Spiel nicht vorgegeben. Dass müssen die Spieler*innen unter sich ausmachen.

Was unser Fazit ist:

Das Spiel zu starten ist sehr einfach. Der Administrator erstellt ein neues Spiel und schickt den Einladungslink und die Anmeldedaten per E-Mail an die Spieler*innen. Das Spiel ist ab einer Anzahl von 8 Spieler*innen empfohlen, allerdings hat es bei uns auch mit 4 Spieler*innen gut funktioniert. Der Administrator behält die Kontrolle über das Spiel, kann es pausieren und Runden vorzeitig beenden. Daher kann das Spiel gut von einer pädagogischen Fachkraft begleitet werden. Das würden wir auch empfehlen, da das Spiel von sich aus keine Hilfestellung gibt und der Lerneffekt sonst verloren gehen könnte. Doch mit der richtigen Begleitung kann eine ganze Menge über demokratisches Zusammenleben, Solidarität und Nachhaltigkeit vermittelt werden. Die Spieler*innen werden mit der Zeit mitbekommen, dass man miteinander kommunizieren muss, aber sie selbst entscheiden wie. Entscheiden alle gemeinsam, wird eine*r gewählt der bestimmen darf? Alles ist möglich. Es können auch Spieler*innen bestraft werden, die sich nicht an die Regeln halten, in dem man demjenigen/derjenigen Aktionspunkte wegnimmt. Somit ist die Gestaltung der Insel den Spieler*innen überlassen, aber es gilt auf die Umwelt zu achten, ansonsten werden Rohstoffe und damit Geld knapp. Daher ist es wichtig, die Auswertungen nach jeder Runde intensiv zu nutzen und sich abzusprechen.

Das Spiel ist allerdings durchaus zeitaufwändig und kann gerne mal zwei oder mehr Stunden dauern, vor allem, wenn man einen ersten Durchlauf durchführt, diesen dann reflektiert und danach noch einen zweiten durchzuführen möchte, um den Lerneffekt zu verstärken. Sollte der zeitliche Rahmen allerdings vorhanden sein, lohnt sich dieses Spiel auf jeden Fall zur Vermittlung basisdemokratischer Kompetenzen.

Hier geht es zum Spiel:

https://newshores.socialsimulations.org

Erscheinungsjahr: 2017