Beitrag in der Corax

Beitrag in der Corax

Von unserer ehemaligen Kollegin Manuela wurden wir gebeten einen kleinen Beitrag in der Corax, dem Fachmagazin für Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen, zum Thema "Politische Bildung und Krieg" zu schreiben. Tobias hat sich dem Thema angenommen und ein bisschen aus der Praxis unserer Bildungsarbeit erzählt. Wir haben den Artikel hier für euch verlinkt, wenn ihr ihn lesen wollt!

Der PJR beim MDR…

Der PJR beim MDR…

Wir hatten vorgestern die aufregende Möglichkeit, als Gäste im Publikum der MDR-Sendung "Fakt ist!" dabei zu sein. Mit sieben Mitgliedern unseres Vereins, haben wir spannende Diskussionen rund um das Thema Linksextremismus und Polizeipräsenz am Beispiel des Falls Lina E. und der Eskalationen in Leipzig miterleben können.

Vor allem Armin Schuster (sächs. Innenminister) und Marco Böhme (Die Linke) sind über ihre gänzlich verschiedenen Wahrnehmungen der Geschehnisse in Leipzig aneinandergeraten. Außerdem eingeladen waren eine Leipziger Journalistin, die ebenfalls vor Ort war, sowie ein Extremismusforscher. Zusätzlich beteiligte sich auch ein Connewitzer (Leipzig) Anwohner und die Bundesvorsitzende der Piratenpartei an der Diskussion.

Es war eine sehr lebendige Debatte. Schaut sie euch gerne in der Mediathek an:

Vielen Dank an das Team von "Fakt ist!" für die Einladung!

Bergfest – Update nach einem halben Jahr FSJP

Bergfest – Update nach einem halben Jahr FSJP

So schnell kann es gehen! Die Hälfte meines Freiwilligendienstes ist bereits vorbei und es wird Zeit für ein paar Highlights.

Erst vor kurzem fand unser lange geplanter Filmabend in der Filmgalerie statt. Gezeigt haben wir "La Haine – Der Hass", ein Film über drei Jugendliche, die in einem Problemviertel der Pariser Vorstädte leben. Im Anschluss haben wir mit den Teilnehmerinnen noch ein Gespräch zur Thematik Segregation in der Stadtentwicklung geführt. Dafür waren ein Sozialarbeiter und ein Anwohner aus Dresden Gorbitz eingeladen, die den Abend mit sehr interessanten Einblicken in die Situation vor Ort bereichert haben.

Ebenfalls interessante Einblicke bieten für mich die Dinge, die wir zusammen mit der Universitätsschule machen. Vor ein paar Jahren durfte ich an einem Schülerinnenkongress teilnehmen, wo verschiedene Ideen zur Zukunft der Schule ausgetauscht wurden. Daher finde ich es spannend, einige dieser Ideen in der experimentellen Praxis zu sehen. Sicher wäre es auch interessant, dort mal einen Workshop durchzuführen, denn ich finde es recht aufschlussreich, wie diese bei den verschiedenen Zielgruppen funktionieren. Für mich persönlich sind die Workshops mit anderen Freiwilligendienstleistenden sehr erfreulich, aber die Abwechslung ist letztendlich entscheidend.

Über einen Mangel an Abwechslung kann ich mich freilich nicht beklagen und ich bin zuversichtlich, dass die zweite Hälfte meiner Zeit hier ebenso angenehm wird. Auf ein paar Dinge kann ich mich jetzt schon freuen und dazu zählen auch die Fahrt nach Berlin im Mai mit den FSJ-Plern der anderen Einsatzstellen sowie verschiedenste anstehende Gedenkstättenfahrten.

Ich bin gespannt!

Ole

Interview mit einem Geflüchteten aus der Ukraine – „Es ist besser hier zu leben“

Interview mit einem Geflüchteten aus der Ukraine – „Es ist besser hier zu leben“

Seit nunmehr über einem Jahr befindet sich die Ukraine im Krieg. Millionen Ukrainer*innen sind geflüchtet
und fanden im Ausland ein neues zu Hause.
S. ist mit seiner fünfköpfigen Familie und weiteren Familienmitgliedern aus der Ukraine nach
Deutschland geflüchtet. Sie hatten Angst vor dem Krieg und wollten in Deutschland, wie so viele
andere, ein neues friedliches Leben beginnen. Wie die Integration gelungen ist, besprechen wir in
unserem Interview.

Hattet ihr Angst euer Land zu verlassen und nach Deutschland zu kommen?

Wir hatten keine Angst nach Deutschland zu kommen.

Wie lief die Flucht für euch ab?

Die Flucht war für uns sehr einfach.

Hattet ihr das Leben in Deutschland so erwartet wie es nun ist?

Ich hatte erwartet, dass die Sprache und die Bürokratie einfacher sind. Die Leute sind leider auch oft Ungut.

Du hast zum Glück schnell Arbeit als Malermeister gefunden. War das einfach? Wie hast du die sprachlichen Probleme überwunden?

Es war einfach für mich Arbeit zu finden. Das mit der Sprache ging leicht durch eine App zu überwinden.

Ihr seid eine große Familie mit 3 Kindern. Wie sind die Kinder hier angekommen? Wie seid ihr als Familie hier angekommen, gefällt es euch in Deutschland?

Den Kindern gefällt es sehr gut hier, denn sie haben hier alle Möglichkeiten und Freiheiten.

Wollt ihr nach Ende des Krieges wieder zurück in die Ukraine?

Nein. Es ist besser hier zu leben.

Gibt es etwas was ihr Deutschland unbedingt sagen wollt?

Nein.

Ist die Integration gelungen?

Die Integration ist gut gelungen, aber man bräuchte mehr Hilfe bei der Sprache.

Der russländische Angriffskrieg und die Jugendarbeit

Der russländische Angriffskrieg und die Jugendarbeit

Der russländische1 Angriffskrieg auf die Ukraine hat weltweit für Erschütterungen gesorgt. Auch wir vom PJR Dresden haben die Auswirkungen des Angriffskriegs in unserer täglichen Arbeit miterlebt, nicht nur weil unsere ehemalige ESKlerin Yuliia aus der Ukraine kommt, sondern auch weil wir uns die Frage stellen mussten, ob und wie wir in Zukunft mit russländischen Kooperationspartnern weiterarbeiten können und möchten, da unser Bildungsangebot auch internationale Jugendbegegungen mit und in der Russischen Förderation umfasst. Viele deutsche und ausländische Bildungsinstitutionen, Organisationen und Vereine haben ihre russländischen Kooperationen pausiert oder gar beendet. 

Auch wir vom PJR Dresden sind wütend und traurig darüber, dass der russländische Angriffskrieg auf die Ukraine nun fast zehn Monate andauert, Menschen- und Völkerrechtsverbrechen begangen werden und Ukrainer:innen aus ihrer Heimat fliehen mussten und immer noch müssen.
Gleichwohl haben wir uns dazu entschlossen über jedes Projekt im Einzelnen zu entscheiden und deshalb noch genauer bei unseren Kooperationsorganisationen hinzugucken.
Internationale Jugendarbeit heißt sich über verschiedene Themen aus verschiedenen Perspektiven auszutauschen, konkret sich über die Bedeutung von Zusammenhalt gegen den Krieg zu verständigen. Der Austausch mit regimekritischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Russischen Förderation trägt beidseitig dazu bei.

Dass diese durchaus kontroverse Position in der Praxis auf Hindernisse stößt und auch Probleme bei ihrer Umsetzung erzeugen kann, haben wir bei der internationalen Jugendbegegung "We have to talk" beobachten und miterleben können. Ursprünglich war eine trinationale Jugendbegegnung zwischen Deutschland, der Ukraine und der Russischen Förderation geplant, die an zwei Orten in Deutschland stattfinden sollte. Das Format der Jugendbegegnung sollte gewissermaßen selbst zum Gegenstand gemacht werden, indem ein Raum für gegenseitige Unterstützung und Vernetzung mit Gleichgesinnten in Kriegszeiten geschaffen werden sollte. Internationale Jugendbegegnungen finden jedoch in keinem luftleeren Raum statt, sondern auf den digitalen Bühnen der Social Media Plattformen. Auf Facebook wurde in Folge eines Posts von einer ukrainischen Aktivistin ein Shitstorm ausgelöst der sowohl unsere deutsche Partnerorganisation als die ukrainische Partnerorganisation und die russländische Partnerorganisation traf. Der Shitstorm und der Druck der digitalen Öffentlichkeit führte dazu, dass sich die ukrainische Partnerorganisation zurückzog und ihre Teilnahme am Projekt beendete.

Einige der Äußerungen der Aktivistin sind nachvollziehbar und wir möchten mit diesem Kommentar keine Meinungen oder Gefühle delegitimieren, denn dies stünde uns hier als deutsche Organisation auch gar nicht zu. Wir stellen uns jedoch uneingeschränkt hinter unsere drei Partnerorganisationen. Die trinationale Jugendbegegnung sollte ein Angebot und ein Möglichkeitsraum für diejenigen sein, die reden und aktiv im Engagement gegen den Krieg sein wollen. Wir sagen nicht, dass alle das sollen. Wir können den Hinweis auf die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse nachvollziehen, jedoch verläuft der Prozess der Traumaverarbeitung individuell und die Teilnahme an Projekten wie diese trinationale Jugendbegegnung kann gewiss dazu beitragen, sich wieder als handlungsfähiges Subjekt zu erfahren und darüber hinaus Gedanken, Emotionen und Erfahrungen nicht zu verdrängen, sondern auszudrücken und sich mit gleichaltrigen darüber auszutauschen.

Wir, der PJR Dresden, unterstützen unsere Projektpartner und möchten sie weiterhin dazu ermutigen trinationale Jugendbegegnungen durchzuführen und sich nicht von Kritiken einschüchtern zu lassen. 
In der internationalen Jugendarbeit sind wir auf konstruktive Kritiken angewiesen und nehmen diese dankend an. Wir hätten uns darüber gefreut, wenn die beteiligten Personen auf uns und unsere Partnerorganisationen zugegangen wären und die Kritiken mit uns geteilt hätten, bevor diese auf einer Plattform zu teilen, die dafür bekannt ist, ein Katalystor für Hatespeech zu sein.
​​​​​​​Projekte mit russländischen Partnerorganisationen sollten nicht tabuisiert werden, ebenso nicht das Reden und Diskutieren über Meinungsverschiedenheiten. Die von uns geteilte Prämisse lautet hierbei, dass keiner der Partnerorganisationen den russländischen Angriffskrieg auf die Ukraine unterstützt und wir einen pluralen demokratischen Wertekanon teilen. 

Obwohl die internationale Jugendbegegnung anders verlaufen ist als geplant, war sie dennoch ein Erfolg. Wir werden uns auch zukünftig mit der Frage der russländischen Kooperationen beschäftigen müssen, ebenso mit der Dynamik von digitalen Öffentlichkeiten im Internet. 

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1: Es heißt an dieser Stelle "russländisch" und nicht "russisch", weil das Russische eine Sprachfamilie bezeichnet und Russländisch hingegen einen staatlichen und ethnischen Zusammenhang.