Zu Besuch im Herzen von Europa- Brüsselseminar 2017

Zu Besuch im Herzen von Europa- Brüsselseminar 2017

Bonjour und let op,

die letzte Woche verbrachte ich, gemeinsam mit den anderen FSJ-Plern, fernab des Büros in der zweisprachigen belgischen Hauptstadt und dem Quasi-Zentrum von Europa. Der weite Weg und die damit verbundene schier ewige Busfahrt konnte unser Vorhaben nicht verhindern. Inhaltlich komplexe und facettenreiche Tage standen auf dem Programm. Was, wie, wo, wann und mit wem- lest selbst.

Am 26. März startete, mit vielen Fragen zum Thema „Internationale Konflikte“ im Gepäck, die spannende Reise nach Brüssel. Bereits nach einem kurzen abendlichen Erkundungsstreifzug hatte uns die Stadt in ihrem Bann gezogen.

Tags darauf machte uns Malte Woydt mit den historisch- politischen Besonderheiten der Stadt bekannt und brachte uns somit den „Brüssel-Spirit“ näher. Dieser spannenden Einführung folgte ein Besuch in der Europäischen Kommission. Im Gespräch mit Sören Haar wurden neben Aufgaben der Institution und Fakten zu Außen- und Sicherheitspolitik auch viele kritische Fragen zur Effizienz und Handlungsfähigkeit geäußert. Schon da war klar: die VertreterInnen der Organisationen haben ein ausgesprochen kritisches und diskussionsfreudiges Publikum vor sich.

Das Parlamentarium

Das Parlamentarium

Wem dieser Input noch nicht reichte, hatte die Möglichkeit sich im Parlamentarium näher über die Funktionsweise und Geschichte von EU und allem was so dazu gehört zu informieren. Beendet wurde der offizielle Teil durch ein gemeinsames Abendessen mit Constanze Krehl (MdEP), die unser gesamtes Seminar mit förderte. Der Abend diente dem individuellen Gang durch das Pentagon (der spektakuläre Name für Brüssels Zentrum),  Paparazzitouren zu den touristischen Highlights und Auswertung des Erlebten.

Einmal kurz die Augen zu und schon „feierten“ wir Bergfest. Im Fokus standen die Sachsen und besonders eine Sächsin im Brüssel.  So zog es unsere Gruppe in das Europäische Parlament, wo wir nach einem Gespräch mit Frau Krehl von der SPD zu einem kurzen Abstecher in den Plenarsaal abbogen. Und ja: selbst auf der Besuchertribüne fühlte man sich schon ein bisschen wichtig.

Unvorstellbar, aber wahr: es gibt einen traditionellen erzgebirgischen Weihnachtsmarkt in der belgischen Hauptstadt. Veranstaltet wird dieser vom Verbindungsbüro Sachsen, welches den nächsten Punkt auf der Tagesordnung darstellte.  Die Arbeit des Büros basiert auf den drei Grundpfeilern: Informieren, Vernetzen und Repräsentieren.

Spannende und kontroverse Gespräche

Frei nach dem Motto „ Das Beste kommt zum Schluss“ bildete eine spannende Diskussion mit EU- Korrespondent Ulrich Ladurner den Höhepunkt des Dienstags. Allgemeine Fragen zur Arbeit eines Journalisten von Die Zeit reihten sich neben Informationen über Aufgaben der Presse so wie innen- und außenpolitischen Krisen und Herausforderungen der EU ein.

NATO-SHAPE- ICRC- FRONTEX- der vermeintlich inhaltliche Hammertag wurde leider durch ein höchst unerfreuliches Ereignis verhindert. Ein nächtlicher Einbruch in unseren Bus machte die Fahrt zum 40 Kilometer entfernten Hauptquartier der NATO unmöglich. So bot sich uns stattdessen die Möglichkeit Caro, der Büroleiterin Krehls in Leipzig, noch jede Menge Fragen rund um die EU zu stellen. Nichtsdestotrotz konnten wir die anderen beiden Besuche am Nachmittag -der Fußläufigkeit Brüssles sei Dank- wahrnehmen.

Gruppenfoto mit Parlamentarierin

Gruppenfoto mit Parlamentarierin

Im Gespräch mit Gilles Hansoul vom Internationalen Komitee des Rotes Kreuzes erfuhren wir viel über die Zusammenarbeit mit dem EU- Parlament, der NATO, Zuständigkeiten und die Schwierigkeiten im Bereich der humanitären Hilfe in Krisengebieten.

Für reichlich Diskussionsstoff sorgte der anschließende Besuch bei Frontex. Intensiv und kontrovers wurde zwei Stunden über Aufgaben, rechtliche Rahmen und Problem der europäischen Grenzschutzorganisiation gesprochen. Noch während des gemeinsamen Essens war dieser Besuch zentrales Thema der Unterhaltungen.

Nun hat leider alles ein Ende, so auch unsere ausgesprochen spannende und lehrreiche Seminarwoche. Mit vielen Informationen, Antworten, wertvollen Gesprächen, unvergesslichen Erinnerungen und neuen Denkanstößen erreichten wir nach nervenstrapazierenden 15 Stunden Busfahrt am Donnerstagabend Dresden.

Ein großes Danke gilt es hierbei an die Organisatoren, besonders Projektleiterin Feli, und Unterstützende der Fahrt zu richten.

 

Viele Grüße,

Charlott

Kontraste in Brüssel

Kontraste in Brüssel

Ende April war für unsere Seminargruppe eine Bildungsfahrt
nach Brüssel vorgesehen. Aufgrund der vergangenen Terroranschläge war es allen
Teilnehmenden freigestellt, ob sie mitfahren möchten. Schön war, dass alle
mitkamen.

Wir hatten die ganze Woche bestes Aprilwetter, das heißt es war kalt, hat oft
geregnet, geschneit und gehagelt. Nur manchmal kam die Sonne raus.
Das Programm sah den Besuch verschiedener EU-Institutionen (Kommission,
Parlament, Parlamentarium) sowie der NGO ECRE vor, welche ein Dachverband für
Flüchtlingsarbeit auf EU-Ebene ist. Des Weiteren waren wir zu Besuch in einer
traditionellen Brauerei, waren Essen oder einfach in der Stadt unterwegs.
Inhaltlich war das Programm leider etwas durchwachsen, denn es war nicht
möglich mit den Vertretern der Kommission oder einer Abgeordneten des
Parlaments grundsätzliche politische Debatten zu führen. Es wurde stets auf die
Alternativlosigkeit der Situation, besonders in der Flüchtlingspolitik,
verwiesen.
Das Klima innerhalb der Gruppe ließ sich aber dadurch nicht
betrüben und ist weiterhin gut. Ich habe mich auch gefreut, ein paar Leute neu
kennenzulernen.
Geschlafen haben wir in einem Hostel an der Grenze des Stadtteils Molenbeek.
Hier haben auch viele andere Gäste verschiedener Länder übernachtet. Der
Besitzer selbst war Kolumbianer, wodurch man sich mit ihm auf Spanisch
unterhalten konnte. Es war sehr einfach ausgestattet, aber so muss das auf
einer Seminarfahrt eigentlich sein. Das gehört ein bisschen zum Wohlfühlcharakter.

 

Die ganze Woche hatten wir unseren Reisebus zur Verfügung,
mit dem standen wir aber im Berufsverkehr konsequent im Stau. Ich glaube man
kommt nur mit der Metro schnell durch die Stadt. Das Problem scheint darin zu
liegen, dass Brüssel 19 verschiedene Verwaltungsbezirke hat, wodurch eine
gesamtheitliche Stadt- und Verkehrsplanung schwer ist. Zudem wurde Brüssel
während der Weltkriege nicht zerstört, wodurch viele Straßen – vor allem in der
Innenstadt – einfach zu klein sind für den Verkehr. Dadurch staut es sich an
anderer Stelle.
Platz vor der Börse in Brüssel

Besonders beeindruckend sowie bedrückend war der Platz vor
der Börse. Hier lagen noch sehr viele Blumen, Kerzen, Teddys und andere Sachen
zur Erinnerung an die Opfer der Terroranschläge vom 22. März diesen Jahres.
Außerdem hingen Flaggen und Transparente und das ganze Gebäude war mit Kreide
beschrieben. Viele Schriftzüge forderten Friede & Liebe, gegenseitigen
Respekt und Anerkennung.
Ich hoffe, eine sehr multikulturelle und vielseitige Stadt wie Brüssel kann
nach einem solchen Ereignis enger zusammenrücken und gegenseitige Vorurteile
abbauen.

Es war auf jeden Fall eine schöne – wenn auch schlafarme – Woche
und ich würde mich freuen, wieder einmal nach Brüssel kommen zu können.
Liebe Grüße,
Robert