Una isla bonita? Lea berichtet von ihrem EFD-Projekt auf Gran Canaria

Hola a todos,

nachdem für mich nun schon die Hälfte der Zeit auf Gran Canaria um ist, ist es Zeit, mal wieder etwas vom Leben auf der Insel zu berichten, denn seit meinem ersten Bericht von den ersten Wochen hat sich viel geändert. Sicher nicht an den Umständen hier, sondern an meiner Einstellung und ganz sicher auch an meiner Sicht auf manche Dinge. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um mich einzuleben, aber es hat sich gelohnt durchzuhalten. Auch wenn vieles nicht leicht war und immer noch vieles nicht so läuft wie es laufen könnte, kann ich doch zumindest sagen, dass ich an den Problemen gewachsen bin.

Das klingt vielleicht ein bisschen kitschig, aber so ist es. Ich würde mein Projekt sicher nicht weiterempfehlen. Das liegt auf keinen Fall an den Kindern; im Gegenteil: Sie sind der Grund, warum ich das Projekt nicht abgebrochen habe. Es ist nicht so leicht zu beschreiben und wahrscheinlich noch viel schwieriger, das nachzuvollziehen, wenn man es selbst nicht erlebt hat. Ich möchte mich deshalb darauf beschränken, von einigen Erlebnissen der letzten Monate zu berichten. 

Eines der größten Highlights war sicherlich das On-arrival-training, oder Spanisch „formación de llegada“. Meine beiden Mitbewohnerinnen (companeras de piso) und ich sind dafür für eine Woche nach La Palma geflogen, die westlichste der Kanarischen Inseln. Sie ist, glaube ich, den meisten unbekannt; wenn ich von La Palma erzählt habe, haben die meisten Leute an die Hauptstadt von Gran Canaria, Las Palmas, oder an Mallorca gedacht…

Dort haben wir die neun anderen Freiwilligen von den Kanarischen Inseln kennengelernt, von denen die meisten auf La Palma leben. Wir waren also eine sehr kleine Gruppe, allerdings mit Freiwilligen aus sieben verschiedenen Ländern (Frankreich, Italien, Griechenland, Serbien, Mazedonien, Polen und Deutschland).

Nachdem wir uns tagsüber mit Themen wie interkulturelles Lernen, Sprache, Krankenversicherung und mögliche Probleme beschäftigt haben, ging abends das interkulturelle Lernen erst richtig los. „Das ist ja ein Festival der Sprachen“, meinte eines Abends der Mann am Nebentisch, der uns zugehört hatte, wie wir uns in acht unterschiedlichen Sprachen unterhielten und, je nach Gegenüber, die Sprache wechselten.

Mir scheint es ein deutsches Ding zu sein, direkt nach der Schule ins Ausland zu gehen. Wir Deutschen waren nämlich mit Abstand die Jüngsten. Die meisten anderen haben schon fertig studiert und sind 23, 26, 27 Jahre alt.

Nichtsdestotrotz oder gerade wegen dieser Unterschiede hat mir diese Woche so unglaublich viel gebracht; weil man ein echtes Gefühl davon bekommen hat, was Europa eigentlich ist oder sein kann.

Zurück im Projekt

Die Rückkehr in unser Projekt war ehrlich gesagt etwas deprimierend, weil wir in dieser Woche mitbekommen hatten, wie gut die Projekte bei den anderen liefen. Wir haben immer auf die Wochenenden hingearbeitet, die dafür umso schöner waren. Wir haben viele Wanderungen gemacht, denn Gran Canaria ist ein wahres Wanderparadies (siehe Fotos)! Das Beeindruckende ist, dass auf der Insel so unterschiedliche Landschaften vereint sind. Bei einer Wanderung in der Mitte der Insel hatten wir einen Blick über die faltigen Gebirgszüge über den Strand sogar bis zum Teide, dem höchsten Berg Spaniens, der auf Teneriffa ist.

Apropos Teneriffa… Über ein langes Wochenende haben wir die Freiwillige auf Teneriffa besucht, mit dem Flugzeug ist man in einer knappen halben Stunde da. (Und weil wir für ein Jahr als „Residenten der Kanaren“ eingetragen sind, bezahlen wir, wenn es gut kommt, gerade mal 10 Euro!) Die Freiwilligen auf La Palma haben wir auch noch einmal besucht und Reisen auf die verbleibenden vier Inseln sind geplant.

In den letzten fünf Monaten bin ich so viel gereist wie noch nie, aber vielleicht ist es einfach das Wissen, dass man hier nur eine begrenzte Zeit hat, das meine Reiseplanungsfreude so überschäumen lässt (und natürlich die Tatsache, dass ich hier nicht in die Schule gehen muss).

Aber in der Woche gehe ich natürlich ganz normal arbeiten und zweimal pro Woche in die Sprachschule in Las Palmas. Mit den Kindern kann ich mich jetzt schon viel besser unterhalten, was die Arbeit um einiges erleichtert und wodurch es auch erst so richtig interessant wird. Manchmal frage ich mich, wie ich auf die Idee gekommen bin, mit kaum einem Wort Spanisch nach Spanien zu gehen. Sicherlich kann man sich auch mit Gesten verständigen, aber es ergeben sich auch sehr viele Möglichkeiten, in denen man sich missverstehen kann.

„Ganz in weiß“… auf dem spanischen Karneval

Ein Grund für viele Touristen nach Gran Canaria zu kommen und eines der wichtigsten Feste für die Einheimischen, ist der Karneval, den wir in den letzten Wochen miterlebt haben und der noch bis in den März hinein gefeiert wird. Da ich nicht in Westdeutschland oder Rio de Janeiro aufgewachsen bin, war das ein Karneval, wie ich ihn noch nie erlebt habe. An einem Tag namens „Los Indianos“ kleiden sich die Leute komplett in Weiß und bewerfen sich auf der Straße mit Mehl und Babypuder. Natürlich wurde auch viel Musik gespielt und getanzt. In den Straßen war alles weiß, als hätte es geschneit und es hat ganz sauber und süß und nach Baby gerochen. Mit „Indianos“ waren früher die Auswanderer nach Amerika gemeint und mit diesem Fest wurde ihre Rückkehr gefeiert. Mit dem Puder wurde die Haut aufgehellt, warum, konnte mir keiner so richtig sagen. Aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht!! 

Am Samstag vor dem Rosenmontag wurde mit einem riesigen Umzug durch die ganze Stadt der Höhepunkt des Karneval gefeiert. Drei Stunden lang standen wir an einer Stelle und haben uns die vorbeiziehenden Trommler und mit riesigem Kopfschmuck geschmückten Tänzer angeschaut, wie auch auf den Fotos zu sehen ist. Als es dunkel wurde, haben sich die Leute in den Zug eingereiht und sind tanzend und mit viel Musik zu einem der größten Plätze in Las Palmas gezogen, auf dem bis in die Morgenstunden getanzt wurde. Es war ein unglaubliches Gefühl, mit so vielen Leuten mitten im Februar auf der Straße zu tanzen. Aber wenn es ums Feiern geht, sind die Kanarier immer dabei.

Auch im Kindergarten haben wir Fasching gefeiert. Es war eigentlich ein ganz normaler Tag, aber die Kinder waren überglücklich und haben ihre Rollen voll ausgelebt. Und mir wurden mehrmals Handschellen angelegt.

Mid-term-Meeting

Im Januar sind wir zum Mid-term-training nach Málaga geflogen, um uns mit anderen Freiwilligen aus Spanien auszutauschen. In dem Training ging es vor allem darum, zu reflektieren, sich seines Ziels bewusstzuwerden und Ideen zu sammeln, wie man aus der verbleibenden Zeit das Bestmögliche herausholen könnte. Wie auch das On-arrival-Training war das eine sehr intensive Woche, die genau zum richtigen Zeitpunkt stattgefunden hat. So sind wir mit viel Motivation und voller Ideen zurückgekehrt.

Außerdem war es (seltsamerweise) ein sehr schönes Gefühl, mal wieder auf dem Festland zu sein und anderthalb Stunden in EINE Richtung zu fahren.

In den nächsten Wochen bekommen wir viel Besuch von den Freiwilligen vom Festland. Alle wollen sie die mysteriöse Insel weit, weit draußen im Ozean besuchen… Wahrscheinlich liegt das unter anderem auch am Wetter… Am Wochenende war es schon so warm, dass man baden gehen konnte.

Wenn man sich den Bericht so anschaut, kann man leicht auf die Idee kommen, dass ich hier ein traumhaftes Leben wie im Urlaub führe. So ist es sicher nicht, aber die Erlebnisse, von denen ich berichtet habe, sind es, die die Zeit bis jetzt so wertvoll gemacht haben. Solche Erlebnisse lassen einen leichter über die Schwierigkeiten hinwegsehen und ich bin gespannt, was in den nächsten vier Monaten noch so kommt.

Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.