Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

FSJ Seminar zum Thema „Hetze & Vorurteile“

Am 17.Juli fiel der Startschuss zu meiner letzten großen Reise innerhalb des FSJs. Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen begab ich mich auf den Weg ins unweite Chemnitz. Unter dem  Motto „Hetze und Vorurteile“ kamen wir zu unserem vierten und damit finalen Seminar zusammen.

Aber, was verbirgt sich nun eigentlich hinter diesem Thema? Genau das war die zentrale Frage während der Vorbereitungstreffen. Denn leider wird vielerorts vorschnell und ohne fundierte Fakten geurteilt. Zudem richtet sich Hetze gegen zahlreiche Bevölkerungsgruppen. Nach reiflichen Überlegungen wohin unsere Reise inhaltlich gehen soll, begann die Referent*innensuche sowie die Recherche und Vorbereitung der einzelnen Programmpunkte.

Angekommen in Chemnitz sensibilisierten wir uns Schritt für Schritt für die verschiedenen Formen von Diskriminierung und konnten unser Wissen über die Hintergründe bzw. Ausführungen dessen erweitern. Bewusst führten uns die Referent*innen vor Augen, dass sich gruppenbezogene Hetze nicht nur auf bestimmte Milieus der Bevölkerung reduzieren lässt. Innerhalb eines Workshops des Hatikva e.V. Dresdens schilderte eine jüdische Akademikerin eindrücklich ihre antisemitischen Erfahrungen innerhalb des Freundeskreises. Unter den höchst gebildeten Personen kursieren Verschwörungstheorien über die geheime jüdische Finanzmacht bis hin zu versteckten Goldbarren im Keller. Es sind die kleinen Spitzen, Kommentare und Gehässigkeiten, die sie und ihren Mann dazu bewogen sich von den nichtjüdischen Freunden zu distanzieren. Moderner Antisemitismus ist facettenreich und lässt sich hinter Schlussstrichforderungen, Israelkritik oder Holocaustrevisionismus finden.  Da sich die antisemitische Grundlinie erst auf den zweiten Blick zeigt, ist es eine ausgesprochen salonfähige Form der Hetzte basierend auf Vorurteilen.

Gewusst wie- machen statt meckern mal anders!

Innerhalb des Projektes ging es nicht nur darum sich mit den verschiedenen Formen und Erscheinungen von Hetze zu befassen, sondern vielmehr um den Umgang damit. Denn Wissen allein bringt weder die Betroffenen noch uns als potenzielle Zeugen der Situation weiter. Argumentations- und Verhaltenstrainings waren daher einen zentralen Gegenstand der Woche.

Als besonders spannend stellte sich der Workshop des Netzwerks gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus Leipzig dar. Mit Hilfe des Religionswissenschaftlers erarbeiteten wir Argumentationsmuster, die selbst ohne ein Studium der Religion feindlichen Parolen den Wind aus den Segeln nehmen. Anschließend bot sich die Gelegenheit Hintergründe zu oft diskutierten Suren und Deutungen des Korans zu erlangen.

Des Weiteren schulte die Aktion Zivilcourage im Bereich Rassismus und couragierten Verhalten in der Öffentlichkeit.  In mehreren Rollenspielen wurden kritische Situationen veranschaulicht und die Eigeninitiative der Teilnehmenden koordiniert.

Behandelt man das Thema Hetze und Vorurteile ist der Blick auf Extremismusformen unvermeidlich. Zunächst diskutierten wir etablierte Definitionen des Begriffs, warfen Fragen auf und bereiteten somit Gesprächspunkte für das Treffen mit Vertretern des Verfassungsschutzes vor. Dieser bot einen breiten Überblick der größten Extremismusformen in Deutschland und Sachsen. Zu linkem Gedankengut und Strukturen innerhalb der Szene referierte ein Mitarbeiter der Rosa Luxemburg Stiftung. Einen Tag lang befassten wir uns mit rechten Parteien innerhalb Europas, deren Vernetzung und der Rolles des Populismus in den Medien.

Zwischen all dem Input verlebten wir eine sehr schöne Woche, werteten das FSJ aus und stellen innerhalb des erlebnispädagogischen Waldspaziergangs unsere Entwicklung mit Hilfe der Land Art dar. Land Art umschreibt eine Form der bildenden Künste, die eine geographische Umgebung zu einem Kunstwerk umwandelt. Entstanden ist die Kunstform in den 1960er Jahren in den USA. So nutzten wir Naturmaterialien, um unser FSJ mit all seinen Erlebnissen, Erfahrungen und Herausforderungen darzustellen.

 

Wie so oft im FSJ- P war der Freitag schneller erreicht, als es einem lieb war. Mit diesem vierten und damit letzten Seminar endet unser spannendes gemeinsames Jahr. Dementsprechend schwer fiel der Abschied am Bahnhof. Ein großes Dankeschön gilt es hier noch einmal an unsere Projektleiterin Felicitas Koch zu richten, die uns während der gesamten Zeit betreute, unterstütze und beriet.

Viele Grüße,

Charlott